Der Unterschied zwischen Kunst und (Kunst-) Handwerk wurde von mir schon häufig diskutiert. Meist unter Gleichgesinnten bei gutem Essen, einem guten Getränk oder einer schmackhaften Pfeife.
Hier die von mir, für mich gültige Definition:
| "Gekritzel am Straßenrand" |
Ein Kunsthandwerker vermag durch eine entsprechende Ausbildung, Erfahrung und zusätzlich erworbenes und erarbeitetes Wissen mehr oder minder Kunstvolles in den Grenzen seiner Fachrichtung herzustellen. Das Ziel des Kunsthandwerkers besteht darin, einen von ihm entwickelten oder einen bestehenden Markt zu bedienen und mit dem Verkauf ihn zufrieden stellende Umsätze zu erzielen. Sekundär befriedigt es ihn, die Ergebnisse seiner Arbeit wohlwollend und zufrieden würdigen, ohne hier und da noch das eine oder andere Potential für mehr Präzision, Finesse oder Akkuratesse entdecken zu können. Menschen, die sich in Routine, Wiederholung, Regelmäßigkeit und Freude an den handwerklichen Ergebnissen wiederfinden, fühlen sich in diesem Aufgabenfeld pudelwohl.
Der Künstler hingegen marschiert mit seinem Selbstauftrag in eine ganz andere Richtung. Er hat sich im Gegensatz zum Kunsthandwerker über ein wesentlich breiteres Spektrum ausgebildet. Auch er musste, ähnlich dem Kunsthandwerker, in verschiedensten Disziplinen an der Perfektion der handwerklichen Aspekte seiner Tätigkeit arbeiten. Darüber hinaus wird von ihm aber erwartet, dass er lernt, unter Zuhilfenahme der handwerklichen Fähigkeiten seine Wahrnehmung, seine Gefühle oder seine Bedürfnisse künstlerisch auszudrücken. Dabei darf er durchaus einen eigenen Stil finden. Er muss es aber nicht, sofern sich für ihn herausstellt, dass er in dem Stiel Gefahr liefe, unter künstlerischem Identitätsverlust nur noch sein Klientel mit neuen "Werken" zu beliefern. Täte er das oder würde er sich damit begnügen, seine Sujets einfach nur in einem bestimmten Stil handwerklich zu reproduzieren, so liefe er bei ausreichender Selbstkritik Gefahr, nicht nur seinen "Abstieg" in das Kunsthandwerk zu bemerken, sondern auch zu erkennen, dass er sein künstlerisches "Ich" auf sträfliche Weise verleugnet hat. Krisen bis hin zur Aufgabe der Kunst oder gar der totalen Selbstaufgabe sind nicht selten die Folgen solcher Erkenntnisse.
Als ich meine ersten intuitiven Bilder erstellte, war ich angesichts der darin enthaltenen Informationen über mein Ich und mein (Er-) Leben völlig aus dem Häuschen. Irgendwann jedoch fiel mir auf, dass ich in die Stereotypie abglitt. Also suchte ich mir neue Aufgaben.

Mittels des "Urban Sketching" (USk) lernte ich, die Umwelt so darzustellen, wie sie sich mir offenbart. Schnell entwickelte sich USk für mich als ein Auftrag, mit Stift und Pinsel zu fotografieren. Der Übergang zum freieren "Plein Air" Malen gestaltete sich recht zügig. Die Ergebnisse meines Arbeitens ließen mich leider schnell erkennen, dass ich mich immer mehr damit beschäftigte, Bilder zu erstellen, die zwar anerkannt wurden, die jedoch überhaupt nichts mit mir zu tun hatten.
Ich hatte mich mit dem Zwang, möglichst viel Plein Air zu malen, immer weiter von mir entfernt. Irgendwann musste ich feststellen, dass ich Landschaften nur noch mit den Augen des Handwerkers sah und dachte. Ein strahlender Frühlingstag sah so aus: hier ein kaltes Gelb, dort ein warmes Ocker, alles durch ordentliche Kontraste zum Strahlen gebracht und dann noch verschiedene Schatten über die Formen verteilt und schon standen die Bilder vor meinen Augen. Was aber fehlte, war ich! Denn fühlen konnte ich diese Stimmungen nicht. Je intensiver ich malte, desto weniger konnte ich mich an Stimmungen erinnern. Malen war nur noch simple Arbeit. Also reines Handwerk.
Mein Empfinden hingegen entwickelte sich zu einer grauen Leere. Meine Seele teilte mir immer deutlicher mit, dass sie sich von meinen künstlerisch erwarteten Forderungen nach Empfinden, Freude oder gar Begeisterung total überfordert fühlte. Also stellte ich das Malen ein. Zumindest fast. Denn manchmal beißt mich noch der eine oder andere Pinsel und dann sitze ich da und "kritzele", wie ich das rein handwerkliche Malen nenne, ein wenig herum.
Und genau bei so einer "Kritzelei" entdeckte ich, dass es mir doch noch Spaß macht, einfach nur als "Kunsthandwerker" tätig zu sein. Denn eines muss ich diesem letzten Bild zugestehen: Es hat mir Ruhe, Spaß und Freude gebracht, an diesem, übrigens eiskalten, Nachmittag am Katzenbuckel zu sitzen und zu malen. Denn Plein Air bedeutet nun einmal auch, dass ich mich der Landschaft, dem Wetter und den vorbeiziehenden Passanten aussetze. Dabei kommt das Gefühl auf, am Leben zu sein. Und ich glaube, dass dieses Gefühl ganz gut von diesem Bild gespiegelt wird.
Und schon wurde aus einer Malpause, in der eigentlich nichts zu sehen ist, doch ein kleiner Beitrag zu meinem Umgang mit Kunst und Kunsthandwerk...


