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Donnerstag, 7. Mai 2026

Und man sieht - NICHTS!

Der Unterschied zwischen Kunst und (Kunst-) Handwerk wurde von mir schon häufig diskutiert. Meist unter Gleichgesinnten bei gutem Essen, einem guten Getränk oder einer schmackhaften Pfeife. 

Hier die von mir, für mich gültige Definition: 

"Gekritzel am Straßenrand"

Ein Kunsthandwerker vermag durch eine entsprechende Ausbildung, Erfahrung und zusätzlich erworbenes und erarbeitetes Wissen mehr oder minder Kunstvolles in den Grenzen seiner Fachrichtung herzustellen. Das Ziel des Kunsthandwerkers besteht darin, einen von ihm entwickelten oder einen bestehenden Markt zu bedienen und mit dem Verkauf ihn zufrieden stellende Umsätze zu erzielen. Sekundär befriedigt es ihn, die Ergebnisse seiner Arbeit wohlwollend und zufrieden würdigen, ohne hier und da noch das eine oder andere Potential für mehr Präzision, Finesse oder Akkuratesse entdecken zu können. Menschen, die sich in Routine, Wiederholung, Regelmäßigkeit und Freude an den handwerklichen Ergebnissen wiederfinden, fühlen sich in diesem Aufgabenfeld pudelwohl.

Der Künstler hingegen marschiert mit seinem Selbstauftrag in eine ganz andere Richtung. Er hat sich im Gegensatz zum Kunsthandwerker über ein wesentlich breiteres Spektrum ausgebildet. Auch er musste, ähnlich dem Kunsthandwerker, in verschiedensten Disziplinen an der Perfektion der handwerklichen Aspekte seiner Tätigkeit arbeiten. Darüber hinaus wird von ihm aber erwartet, dass er lernt, unter Zuhilfenahme der handwerklichen Fähigkeiten seine Wahrnehmung, seine Gefühle oder seine Bedürfnisse künstlerisch auszudrücken. Dabei darf er durchaus einen eigenen Stil finden. Er muss es aber nicht, sofern sich für ihn herausstellt, dass er in dem Stiel Gefahr liefe, unter künstlerischem Identitätsverlust nur noch sein Klientel mit neuen "Werken" zu beliefern. Täte er das oder würde er sich damit begnügen, seine Sujets einfach nur in einem bestimmten Stil handwerklich zu reproduzieren, so liefe er bei ausreichender Selbstkritik Gefahr, nicht nur seinen "Abstieg" in das Kunsthandwerk zu bemerken, sondern auch zu erkennen, dass er sein künstlerisches "Ich" auf sträfliche Weise verleugnet hat. Krisen bis hin zur Aufgabe der Kunst oder gar der totalen Selbstaufgabe sind nicht selten die Folgen solcher Erkenntnisse. 

Als ich meine ersten intuitiven Bilder erstellte, war ich angesichts der darin enthaltenen Informationen über mein Ich und mein (Er-) Leben völlig aus dem Häuschen. Irgendwann jedoch fiel mir auf, dass ich in die Stereotypie abglitt. Also suchte ich mir neue Aufgaben. 


Mittels des "Urban Sketching" (USk) lernte ich, die Umwelt so darzustellen, wie sie sich mir offenbart. Schnell entwickelte sich USk für mich als ein Auftrag, mit Stift und Pinsel zu fotografieren. Der Übergang zum freieren "Plein Air" Malen gestaltete sich recht zügig. Die Ergebnisse meines Arbeitens ließen mich leider schnell erkennen, dass ich mich immer mehr damit beschäftigte, Bilder zu erstellen, die zwar anerkannt wurden, die jedoch überhaupt nichts mit mir zu tun hatten.

Ich hatte mich mit dem Zwang, möglichst viel Plein Air zu malen, immer weiter von mir entfernt. Irgendwann musste ich feststellen, dass ich Landschaften nur noch mit den Augen des Handwerkers sah und dachte. Ein strahlender Frühlingstag sah so aus: hier ein kaltes Gelb, dort ein warmes Ocker, alles durch ordentliche Kontraste zum Strahlen gebracht und dann noch verschiedene Schatten über die Formen verteilt und schon standen die Bilder vor meinen Augen. Was aber fehlte, war ich! Denn fühlen konnte ich diese Stimmungen nicht. Je intensiver ich malte, desto weniger konnte ich mich an Stimmungen erinnern. Malen war nur noch simple Arbeit. Also reines Handwerk. 

Mein Empfinden hingegen entwickelte sich zu einer grauen Leere. Meine Seele teilte mir immer deutlicher mit, dass sie sich von meinen künstlerisch erwarteten Forderungen nach Empfinden, Freude oder gar Begeisterung total überfordert fühlte. Also stellte ich das Malen ein. Zumindest fast. Denn manchmal beißt mich noch der eine oder andere Pinsel und dann sitze ich da und "kritzele", wie ich das rein handwerkliche Malen nenne, ein wenig herum. 

Und genau bei so einer "Kritzelei" entdeckte ich, dass es mir doch noch Spaß macht, einfach nur als "Kunsthandwerker" tätig zu sein. Denn eines muss ich diesem letzten Bild zugestehen: Es hat mir Ruhe, Spaß und Freude gebracht, an diesem, übrigens eiskalten, Nachmittag am Katzenbuckel zu sitzen und zu malen. Denn Plein Air bedeutet nun einmal auch, dass ich mich der Landschaft, dem Wetter und den vorbeiziehenden Passanten aussetze. Dabei kommt das Gefühl auf, am Leben zu sein. Und ich glaube, dass dieses Gefühl ganz gut von diesem Bild gespiegelt wird. 

Und schon wurde aus einer Malpause, in der eigentlich nichts zu sehen ist, doch ein kleiner Beitrag zu meinem Umgang mit Kunst und Kunsthandwerk...

Montag, 9. September 2019

04. bis 09. September 2019 Meine Schutzheiligen in Ostfriesland

Schutzheilige in Ostfriesland?

Lukas ist der Schutzheilige von uns Kunstmalern. Er ist nicht der erste dokumentierte Maler, er ist kein berühmter heiliger Maler aber er hat etwas getan, was ihn in für diese Rolle geprägt hat: Er hat als erster und vielleicht einziger für die Jungfrau Maria als Auftragsarbeit ein Portrait angefertigt. Diese, wahrscheinlich auch erste Ikone ließ ihn in die Rolle des Schutzheiligen unserer Zunft, der "Lukasgilde" schlüpfen. Man muss allerdings wissen, dass er ebenfalls Schutzheiliger der Ärzte, Chirurgen und der Kranken, der Metzger und des Viehs ist. Gerade bei den letzten Beiden hat er sicherlich so manch einen Interessenkonflikt auszustehen, der dem seiner derzeitigen irdischen Vertreterin Julia Klöckner entspricht. Und mit dieser Dame komme ich auch wieder zurück nach Ostfriesland.

Sonntag, 19. Mai 2019

12. bis 19. Mai 2019 in Wismar und Rerik

Der Letzte Teil meines "Ostseeberichtes":
In Rerik angekommen, stellte ich fest, dass ich für mein Boot Ersatzteile benötigte, die ich in der Hansestadt Wismar bekommen konnte. Mit den Besorgungen fertig, fühlte ich mich von einem der Fischimbisse im Hafen eingeladen. Da ich auch vor wenig ordentlichen Küchen und ähnlich auftretendem Küchenpersonal nicht zurückschrecke, beeindruckte mich dieser Imbiss bis zu dem Moment nicht, als ich in die Pommes Frites, die ich zu dem Matjesbrötchen bestellt hatte, biss. Jetzt wusste ich, dass ich tatsächlich eine der letzten echten Hafenspelunken gefunden hatte, die nur hart gesottene Seebären wie ich überleben konnten. Zur Erinnerung gab ich der Spelunke einen geeigneten Namen und fertigte noch eine Zeichnung an.
Die restlichen Tage verliefen bar jeglicher Zeichnerei, da der gute Wind mich ausreichend in meinem Boot beschäftigte. Nur einmal schwappte der Nebel aus der Ostsee in das Salzhaff und ich tauschte Schot und Pinne gegen Block und Bleistift.




Sonntag, 12. Mai 2019

09. bis 12. Mai 2019 Zwei Tage freies Malen, eine Ausstellung und das traurige Ende des Plein-Air-Festivals

Zum Abschluss der Workshop- und Seminarreihe der Woche war am 09. und 10. Mai im Rahmen des Ostsee Plein Air Festival freies Malen angesagt. Wer wollte, konnte sich seine Malgründe an jedem dieser Tage abstempeln lassen, um sie dann jeweils abends für eine Ausstellung in der Kunsthalle Kühlungsborn abzugeben. Dieses Angebot nahm ich gerne an.
So malte ich mich am ersten Tag langsam und genüsslich durch den Konzertgarten West zu dem Ostsee - Grenzturm Kühlungsborn BT11. Nach Abgabe meiner Bilder entwickelte sich über der Ostsee ein dramatisches Szenario, als am Horizont im Abendlicht schwere Gewitterwolken mit dem Regenbogen um meine Aufmerksamkeit rangen. Der Geschwindigkeit der Anfertigung des Bildes ist die perspektivische Genauigkeit ein wenig zum Opfer gefallen...
Der 10. Mai entwickelte sich typisch Ostsee sehr wechselhaft. Wunderbare, warme Sonnenstrahlen heizten mir ordentlich ein, doch dann preschte kalter Regen durch die Kleidung, dass mir die Freude am Malen immer mehr verging. Da half auch nicht, dass wir uns mit Teilen unserer Gruppe an der Marina Kühlungsborn verabredet hatten, um dort noch ein paar gemeinsame Malstunden zu verbringen. Erst recht nicht, nachdem der Regen in Gewinnerpose dauerhaft zeigte, was er so drauf hat. Also zogen wir uns unter die Sonnenschirme eines Bistros zurück und malten dort frei an unseren Bildern. Da ich, so wie auch fast alle anderen MalerInnen, die Fischerboote im Hafen von Kühlungsborn zur Genüge gemalt hatte und ich mich schon auf die kommenden Segeltage auf dem Salzhaff freute, malte ich kurzerhand meinen "Knutt", eine Lobster 12.5 der Werft Lobster Houten Botenbouw, anstelle der Fischerboote an den Fischersteg (Ausgerechnet dieses Bild wurde im Rahmen der Ausstellung verkauft).
Nach Abgabe der Bilder, einem Abendessen im Lehrlings-Imbiss Fetzenbude des Hotels Upstalsboom besuchte ich noch einen Vortrag von Jens Hübner, in dem er über seine Zweirad-Reisen zwischen Schottland und Venedig berichtete.
Am 11.05. wurde die Ausstellung unserer Bilder in der Kunsthalle Kühlungsborn eröffnet. Die Vielfalt der, in diesen zwei Tagen, erstellten Werke war wirklich bewundernswert. Nach der Preisverleihung und einem oder zwei Sektchen verholte sich ein Teil unserer Gruppe in den Irish Pub No. One Kühlungsborn, wo wir der Lifemusik eines Solisten zuhörten und uns vor Allem untereinander bestens unterhielten.
Der 12.05. war dann trotz des schönen Wetters der traurige tag des Abschiedes von dem Ostsee Plein Air Festival und den vielen lieben Menschen, die ich dort kennengelernt hatte. Zuvor galt es aber noch, die eigenen Bilder von der Ausstellung abzuholen.
Die Wartezeit bis zur Öffnung der Räumlichkeiten nutzte ich noch, um ein paar Boote des örtlichen Segelclubs zu malen. Auch waren noch ein paar nette Gespräche möglich, bevor ich dann Kühlungsborn mit Auto und Boot in Richtung Rerik verließ.
Letztlich war der Abschied garnicht so traurig, da ich weiß, dass ich nächstes Jahr wieder dabei sein werde. Und die Freude auf zukünftig Schönes kompensiert immer die Trauer über Vergangenes.













Mittwoch, 8. Mai 2019

08. Mai 2019 Noch mal so richtig Vollgas am letzten Seminartag

Und nun zu Tag Drei des Workshops, welcher typisch für mich mit unnötiger Hektik begann. Unsere Gruppe hatte sich um 10 Uhr an der Seebrücke Ostseebad Kühlungsborn verabredet. Es gab nur eine Person, die durch einen Speicherfehler im großen Chip zwischen den Ohren glaubte, bereits um neun Uhr da sein zu müssen. Und diese Person war natürlich ich!
So drängelte ich mich bei dem Fahrradverleiher, welcher erst um neun Uhr öffnete, vor, erhielt innerhalb von dreißig Sekunden mein Leihrad, düste zu dem Treffpunkt und traf dort keine Person mehr! Oder schon? Da die Truppe zwar pünktlich die Zeiten einhielt, dann aber meistens doch einige Zeit benötigte, um die Erlebnisse der letzten Stunden miteinander auszutauschen, ging ich sofort zur Tagesordnung über und bestellte mir erst einmal ein gutes Frühstück im nahegelegenen Café.
Bald darauf lockte mich das durch den kräftigen Ostwind dramatisch langsame Anlegemanöver des Ausflugsschiffes MS Baltica an der Seebrücke an das Meer zurück. Dieses Schiff ist in der wunderschönen Linienführung der Passagier- und Schnellfrachtschiffe der späten 50er- und 60er Jahre gehalten. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass die MS Baltica am 13.05., also nur 5 Tage später, den 60. Jahrestag seiner Indienststellung feiern würde.
Nachdem ich diese Szene festgehalten hatte, trafen auch langsam die restlichen Gruppenmitglieder ein. Nach ein Demonstrationen zur Perspektive der Seebrücke durch Jens Hübner fuhren wir mit den Rädern zu der Alte Büdnerei, wo wir Aspekten der Landschafts- und Tiermalerei behandelten, bevor wir uns dort mit einem hervorragenden Essen stärkten. Der anschließende Stachelbeerkuchen mit Baiserhaube war dann der Knüller meines ganzen Aufenthaltes an der Ostseeküste!
Skizzen des Leuchtturm Bastorf aus der Froschperspektive sowie freien Themen, wie dem Panorama der Ostseeküste um Kühlungsborn, beendeten dann den offiziellen Teil des Workshops im Café des Leuchtturms.
Nach einer, für Norddeutsche Verhältnisse rasanten Fahrt hinunter vom Leuchtturm-Hügel auf Meereshöhe erreichten wir noch gemeinsam Kühlungsborn West. Hier zeichnete ich noch die ehemalige FDJ-Hochschule / Goebbelsvilla / Villa Baltic, deren tragische und traurige Geschichte immer noch keinen Abschluss finden konnte
(Siehe auch: https://www.ndr.de/…/Vom-Judenschloss-zur-Nachwende-Ruine,v…).










Dienstag, 7. Mai 2019

07. Mai 2019 Unter Dampf nach Heiligendamm und Bad Doberan

Weiter mit Tag 2, dem 07.05., des Workshops mit Jens Hübner im Rahmen des Ostsee Plein Air Festivals:
Die regelmäßige Bahnverbindung zwischen KühlungsbornHeiligendamm und Bad Doberan wird auf einer Schmalspurstrecke von der Mecklenburgische Bäderbahn Molli mittels dampfbetriebenen Zügen angeboten. Diese zuckeln schnaufend und pfeifend durch die Landschaft und ermöglichen dem hektischen Ostsee-Touristen eine Entschleunigung der besonderen Art.
Mit dieser Bahn fuhren wir (Ich natürlich wieder zeichnend im Salonwagen) zu der Steilküste bei Heiligendamm. Nach einigen Malversuchen und einer Mittagspause im Deck Beach Club & Restaurant, Heiligendamm fuhren wir mit dem Molli weiter nach Bad Doberan, wo wir uns mit den verschiedenen Perspektiven der Klosterruine beschäftigten. Anscheinend als Resultat meines Overflows vom Vortag gelangen mir an diesem Tage nur wenige Umsetzungen. Aber zu einer Frontalansicht des Kornhauses in meinem 9 x 14 cm Skizzenbuch reichte die Energie dann doch noch.
Zurück in Kühlungsborn malte ich noch den Eckpavillon der Belle-Epoque-Fassade des Europa Hotel Kühlungsborn.







Montag, 6. Mai 2019

06. Mai 2019 Erster Tag des Plein-Air Festivals in Kühlungsborn

Ab Heute, dem 06.05.19 bis zum 12.05.19 ich in Kühlungsborn an dem Ostsee Plein Air Festival teil. Mit einer sehr sympathischen Gruppe werde ich an den ersten drei Tagen unter Anleitung von Jens Hübner viel über die Möglichkeiten, mittels guter Blattaufteilung, eindeutiger Linienführung, frühzeitiger Entscheidung für die Bildschwerpunkte sowie interessanter Kniffe so zu arbeiten, dass bei erhöhtem Spaß am Malen auch noch deutlich interessantere Ergebnisse im Stile des Arbeitens unseres Dozenten zustande kommen sollten. Wobei ich als träger Ostfriese natürlich schon an diesem ersten Tage ein wenig länger für die Umsetzung brauchte...
Heute, an dem ersten Tag, kamen einige "Auftragsbilder" im Rahmen der Workshops so wie freie Zeichnungen, die ich veranstaltungsbegleitend anfertigte, zustande.
Die Serie beginnt mit Jens' typischer Art der Präsentation, indem er auf dem Boden sitzend den sich um ihn scharrenden Kursmitgliedern seine Informationen (hier: verwendete Aquarellstifte) vermittelt.
Daraufhin versuchten wir seine ersten Tipps an der ehemaligen Seenotrettungsstation von Kühlungsborn West umzusetzen. Dabei galt es auch, mit den immer wieder spontan einsetzenden Regenschauern klar zu kommen. Diese haben mein Bild letztlich deutlich beeinflusst...
Mittels Jens' Unterstützung kamen wir alle zu Ergebnissen, die unserem Stil noch sehr ähnelten.
Nachmittags befassten wir uns noch mit einigen Strandstudien einschließlich dem Erfassen eines der, für Kühlungsborn typischen, Strandkorbvermietungshäuschen (geiles Wort!).

Nebenbei zeigte mir Jens noch ein paar Tricks zum schnellen zeichnen von Menschen.

Am Abend war ich derart platt, dass ich nicht mehr viel Interesse an weiterer zeichnerischer Aktivität zeigte.















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